Erfolg- und aufschlussreicher 1. BASIS Stammtisch

Am Anfang einer Diskussionskultur war der Stammtisch. Davon können die Menschen in Schlanders Geschichten erzählen und Erinnerungen aufleben lassen. Und genau damit begann am Dienstag, 2. Februar 2018 um etwas nach 20 Uhr der Stammtischabend in der Schlandersburg im Vinschgau: Gastgeber und Bibliotheksleiter Raimund Rechenmacher erzählte von den Offenen Stammtischen, die von 1995 bis 2000 stattgefunden haben. 33 Mal wurde auf Initiative von Bildungsausschuss Schlanders, Bibliothek Schlandersburg, Umweltschutzgruppe Vinschgau in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung Schlanders informiert, diskutiert und die Möglichkeit der Mitsprache über die Zukunft der Gemeinde geboten. Raimund Rechenmacher erinnerte mit einer Anekdote zu den Rimpfhöfen auch daran, dass neue Situationen natürlich zunächst ungewohnt sein können, bei näherer Betrachtung und Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema jedoch zumeist ungeahnte Möglichkeiten erschließen und Fruchtbringendes liefern können.

Nach dieser lässigen Einführung vor 100 aufmerksamen Stammtischgästen aus Schlanders und der Umgebung, sowie aus Meran, Bozen, Innsbruck und der angrenzenden Schweiz – anwesend waren auch Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde Schlanders, die mit Offenheit und Engagement hinter dem Projekt stehen – übernahm Moderator und Diskussionsleiter Otto Wunderer das Wort und verkündete die Stammtischregeln, die da wären: Auf eine Impulsansprache zu einem aktuellen Thema von 10–15 Minuten folgt die Diskussion mit Wortmeldungen, Fragen, Meinungen usw. zu maximal je drei Minuten Gesprächszeit – bei Überschreitung klingelt ein Glöckchen. Es besteht keine Verpflichtung zu bleiben, wenn jemand meint, er habe genug gehört, kann er gehen. Kurz und bündig. Alles klar? Wer will kann sich auch im Stammtischbuch eintragen, um mit Newsletter oder Whatsapp-Gruppe auf dem Laufenden zu bleiben.

Das Thema des ersten Stammtisches war „Aufklärung und Information über das geplante Innovations- und Gründerzentrum BASIS in Schlanders“. Welche Funktion hat das EU-Projekt BASIS? Wie ist das Projekt organisiert? Warum kann der Lebens- und Wirtschaftsraum Vinschgau durch ein Innovations- und Gründerzentrum nachhaltig gestärkt werden? Was passiert in den kommenden Monaten? Wie kann ein Ort oder ein Tal für die kommenden Generationen in Handwerk, Landwirtschaft, Handel, Wirtschaft, Kreativwirtschaft, Kultur und Bildung attraktiv bleiben?

Bei einem Glas Apfelsaft, Wein oder Wasser und Brötchen mit leckeren Aufstrichen stellte der Projektleiter Hannes Götsch das Vorhaben anschaulich und klar vor. Das ehemalige Versorgungsgebäude „palazzina servizi“ wird nicht wie die weiteren drei Hauptgebäude des Drusus-Kasernen-Areals abgerissen, sondern funktional saniert und mit Räumlichkeiten für Werkstätten, Ateliers, Projekte, Verarbeitungsmöglichkeiten, Veranstaltungen, einen gemeinsamen Arbeitsraum bzw. Coworking Space, Residencies und Hostings sowie Möglichkeiten für Gründer eingerichtet.

Die Umsetzung des EU-Projektes BASIS erfolgt durch ein vierköpfiges Projektteam – Hannes Götsch, Katharina Flöss, Luca Daprà und Kunigunde Weissenegger – über die Gemeinde Schlanders als Projektträger im Rahmen des Europäischen Regionalentwicklungsprojekts für Forschung, Innovation und Kreativwirtschaft EFRE1053. Bildung, Kultur, Wirtschaft, Kreativwirtschaft, Handwerk, Landwirtschaft und Soziales werden im Drehpunkt BASIS zusammen geführt. Das sektorenübergreifende, gesamtheitliche Gesellschaftsentwicklungsprojekt ermöglicht durch funktionale Nachnutzung und Öffnung Freiräume für Kreativität und Experiment sowie zeitgemäße Arbeitsmodelle.

Das Projektteam unterstrich besonders, dass es im gesamten Prozess von größter Wichtigkeit ist, dass sich die Menschen aktivieren und hervortun, Anliegen deponieren und mitarbeiten sowie der nächsten Generation Entwicklungsspielräume offen lassen. Die Bevölkerung soll zur aktiven Gestaltung ihres Lebens- und Wirtschaftsraums motiviert werden, Verantwortung übernehmen, mit Enthusiasmus und Eigeninitiative mitgestalten. Auf den aufschlussreichen Einblick in die Absichten und Pläne der nächsten Monate folgte die Diskussion, die Otto Wunderer mit einem „Wer traut sich?“ eröffnete. Die Fragen ließen nicht lange auf sich warten: Wann ist das Haus bezugsfertig? Wird es klare Regeln geben? Wie wird ausgewählt, wer hinein kann? Hat auch das Soziale Platz? Wie wird auf die verschiedenen Bedürfnisse reagiert? Wird es Arbeitsgruppen geben? Gibt es bei aller Zukunft auch eine historische Aufarbeitung?

Das bunt gemischte Publikum – jung, mittelalt, älter – brachte sich rege ein und gab auch Meinungen ab – „es sei gut, wenn Köpfe geöffnet würden“, „es sei eine Chance, sich als einzelner als Teil des Projektes zu sehen“ und „es sei eine gute Möglichkeit, gemeinsam Schwung in nahende gesellschaftliche, wirtschaftliche sowie logistische Gegebenheiten zu bringen und etwas zu verändern“.